Kroatien: Botovo, Bapska und Slavonski Brod

Die ersten Einsätze von BAAS waren für unser 14-köpfiges Team noch vollkommenes Neuland: im Angesicht der sich zuspitzenden Notlage auf dem Balkan wurden erstmals Hilfsgüter gesammelt, Versicherungen abgeschlossen, Fahrzeuge ausgeliehen, Spendengelder eingeworben und Arbeitspläne umgestaltet. Alles, um endlich flüchtenden Menschen, die bis dato vollkommen alleingelassen wurden, zu helfen.

Das Ziel dabei war klar: 6 Transporter sollten mit Spendengütern gefüllt und diese dorthin transportiert werden, wo Menschen verzweifelt darauf angewiesen waren: an die kroatisch-ungarische Grenze zum Bahnhof in Botovo, wo täglich vier Züge ankamen, die hunderte von Personen an die Grenze Ungarns transportierten. Täglich konnten wir so rund 2000 Flüchtende mit Getränken, einem Sandwich sowie warmer und trockener Kleidung versorgen. Während dieser kurzen, aber sehr intensiven, Zeit, bei der sich BAAS mit der heimischen Familie Beg zusammenschloss, die schon seit längerem aktive Hilfe am Bahnhof Botovo leistete, war allen klar: Unsere Arbeit hat hier erst begonnen. Zu viele Menschen kamen noch immer täglich hungernd, völlig durchgefroren, und ohne zu wissen, wo sie sich befanden, in Kroatien an. Sie benötigten weiterhin dringend Hilfe.

Zurück in der Schweiz wurden also sofort neue Pläne geschmiedet. Ein erneuter Einsatz in Kroatien wurde vorbereitet und bereits zwei Wochen später ausgeführt. Wieder wurden Fahrzeuge mit Spendengütern, die wir durch “Basel hilft mit” bereits sortiert und verpackt erhielten, gefüllt und nach Kroatien transportiert. Dieses Mal verliefen die Einsätze wie so oft nicht nach Plan und wir mussten schnell auf neue Ausgangslagen reagieren. So nahmen wir uns der schwierigen Arbeit an, in der Transitzone zwischen Kroatien und Slowenien etwa 400 – 600 fliehende Menschen zu versorgen, die dort bei etwa 0 Grad im eisigen Regen verharren mussten. Wir waren in der Lage, ihnen wenigstens einen warmen Tee sowie trockene Kleidung auszuhändigen, was sich als schwierig herausstellte, da wir als private Organisation von den zuständigen Behörden nicht gerne gesehen wurden.

Ähnliche Schwierigkeiten fanden wir an der kroatisch-serbischen Grenze in Bapska vor, an der wir den Launen der örtlichen Polizei ausgeliefert waren. So durften wir beispielsweise Hunderte von Flüchtenden mit Nahrung und Kleidung versorgen und hatten plötzlich 30 Minuten später keinen Zugang mehr zu unseren Fahrzeugen, um Hilfsgüter nachzufüllen. Danach liess man die Menschen direkt an der Grenze in Bussen abtransportieren und umging somit den von uns aufgebauten Versorgungspunkt. Wir verlagerten also unseren Einsatz spontan zurück an die kroatisch-slowenische Grenze.

Wieder folgte nach diesen sehr emotionalen Tagen der kurze Schritt zurück in den Alltag und noch immer lagerten viele Spenden bei der Familie Beg in Kroatien. Bereits Ende Oktober 2015 stand demzufolge ein weiteres BAAS-Team bereit, dieses Mal in Zusammenarbeit mit der Berner Organisation “Ceriba” und Helfern des “SOS Konvoi Frankfurt”. Im riesigen und trostlosen Flüchtlingscamp in Slavonski Brod galt es erstmals mit großen internationalen NGOs wie dem Roten Kreuz und Caritas zusammen zu arbeiten. Hier spürten wir deutlich die Vorteile unseres kleinen privaten Vereins, da wir – anders als die langsamen Riesen – stets schnell und flexibel auf den Bedarf der Menschen im Lager reagieren konnten.

Es gelang uns, eine strukturierte Kleiderverteilung aufzubauen und teils auch gegen den Willen der Behörden für tausende Flüchtende wärmende Winterkleidung bereit zu stellen. Nach einer Woche ununterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht wurde das fünfköpfige Team von BAAS durch 13 andere Mitglieder des Vereins abgelöst. So konnten wir für weitere 2 Wochen mit dem Roten Kreuz, Caritas, der UNHCR, sowie Unicef zusammen arbeiten und Einblicke in die Abläufe staatlicher Flüchtlingscamps und Strategien grosser humanitärer Akteure gewinnen.